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04.04.2022

Lesefähigkeit von Schülern mit ausländischen Wurzeln stark abgenommen

Die coronabedingten Ausfälle im Schulbetrieb haben offenbar massive Auswirkungen auf die Lesekompetenz von Grundschulkindern. Nach einer Studie des Dortmunder Forschungsinstituts IFS nahm die Lesefähigkeit von Viertklässlern deutlich ab. Besonders betroffen sind Schüler mit ausländischen Wurzeln.


Foto: Wokandapix / pixabay

Die Lesefähigkeit von Grundschülern in Deutschland ist infolge der Corona-Pandemie deutlich zurückgegangen. Der Anteil an Viertklässlern, die gut bis sehr gut lesen können, lag im vergangenen Jahr bei 37 Prozent, wie eine am Dienstag vorgelegte Studie eines Forschungsteams am Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS) der Technischen Universität Dortmund ergab. Das sind sieben Prozentpunkte weniger als fünf Jahre zuvor.

Besonders drastisch ist der Rückgang bei Kindern mit schlechten häuslichen Rahmenbedingungen zum Lernen. Das ist etwa der Fall, wenn das Kind über keinen eigenen Schreibtisch und keinen Internetzugang verfügt. Diese Kinder verloren im Schnitt mit 27 Punkten mehr als Kinder mit guten Rahmenbedingungen (16 Punkte).

 

Migranten besonders stark betroffen

„Vergleicht man schließlich die Gruppen der Grundschulkinder mit und ohne Migrationshintergrund, so hat die Lesekompetenz von Kindern mit Migrationshintergrund im Mittel tendenziell stärker unter der Pandemie gelitten“, so die Wissenschaftler. Das Ergebnis könne zwar nicht statistisch gegen den Zufall abgesichert werden, aber die Zahlen zeigten deskriptiv eine deutliche Vergrößerung des Unterschieds der mittleren Leseleistungen: „Lagen Kinder, die im Ausland geboren sind, 2016 im Mittel noch 46 Punkte hinter Kindern mit Deutschland als Geburtsland, so beträgt dieser Unterschied 2021 durchschnittlich 63 Punkte und damit rund 1,5 Lernjahre“, so die Studienautoren.

Die Analysen des sogenannten IFS-Schulpanel basieren auf Daten von rund 2.200 Viertklässlern aus dem Jahr 2016 und fast 2.100 Viertklässlern aus dem Jahr 2021. Jungen und Mädchen aus 111 Grundschulen in Deutschland wurden dabei anhand standardisierter Lesetests überprüft. Der Rückgang des mittleren Kompetenzniveaus betrifft den Forschern zufolge alle untersuchten Schülergruppen. So sind zwar Mädchen im Lesen im Mittel weiterhin stärker als Jungen, allerdings sank das durchschnittliche Leseniveau beider Gruppen.

Quelle und weitere Informationen unter www.migazin.de


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