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Online-Interview zu Rassismus und Antisemitismus im Gesundheitswesen in NRW

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Am 04.03.2026 führte die Projektkoordination ein Online-Interview mit dem Institut für Sozialforschung, Praxisberatung und Organisationsentwicklung (iSPO) durch.

Das Gespräch fand im Rahmen der landesweiten Studie „Rassismus und Antisemitismus gegenüber Beschäftigten im Gesundheitswesen in Nordrhein-Westfalen“ statt, die im Auftrag des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales Nordrhein-Westfalen durchgeführt wird. Ziel der Studie ist es, Erfahrungen zu erfassen und Handlungsempfehlungen für eine diskriminierungssensible Gesundheitsversorgung zu entwickeln.

Im Interview wurden insbesondere strukturelle Herausforderungen sowie konkrete Verbesserungsvorschläge aus der Praxis der muslimischen Krankenhausseelsorge eingebracht.

Strukturelle Lücken und institutionelle Benachteiligung
Ein zentraler Punkt war die bestehende strukturelle Ungleichbehandlung in der Seelsorge. Während die christliche Seelsorge fest in klinische Abläufe integriert ist, wird muslimische Seelsorge häufig ausschließlich auf ehrenamtlicher Basis und ohne institutionelle Einbindung durchgeführt. Dies zeigt sich insbesondere im fehlenden Zugang zu relevanten Patientendaten, wodurch Bedarfe nicht systematisch erkannt werden können. Zusätzlich erschweren räumliche Distanz und fehlende personelle Ressourcen eine zeitnahe Krisenintervention und nachhaltige Begleitung.

Abbau von Stereotypen und Fehlwahrnehmungen
Im Gespräch wurde zudem auf verbreitete Fehlannahmen hingewiesen. Die Wahrnehmung, muslimische Familien würden häufiger ethische Konflikte verursachen, entspricht nicht den Erfahrungen aus der Praxis. Ethische Fragestellungen am Lebensende treten unabhängig von religiöser Zugehörigkeit vergleichbar häufig auf. Ebenso wurde betont, dass Gewalt gegenüber medizinischem Personal in der Regel situative oder gesundheitliche Ursachen hat und nicht religiös begründet ist. Pauschale Zuschreibungen gegenüber muslimischen Patientinnen und Patienten können zu Stigmatisierung und Fehlentscheidungen führen. Auch auf problematische stereotype Deutungsmuster – etwa die Bagatellisierung von Schmerzäußerungen aufgrund kultureller Zuschreibungen – wurde aufmerksam gemacht. Solche Annahmen können die medizinische Versorgung beeinträchtigen und stellen ein ernstzunehmendes Risiko dar.

Barrieren in Kommunikation und Versorgung
Weitere Herausforderungen bestehen in der sprachlichen Verständigung und religionssensiblen Versorgung. Obwohl ein Anspruch auf Aufklärung in der Muttersprache besteht, scheitert dessen Umsetzung häufig an bürokratischen Hürden bei der Organisation professioneller Dolmetschdienste. In der Praxis wird daher teilweise auf Laien-Dolmetschen zurückgegriffen, was zu Informationsverlusten, Missverständnissen und zusätzlichen Belastungen für Angehörige führen kann. Darüber hinaus wurde auf die Bedeutung religionssensibler Rahmenbedingungen hingewiesen, etwa bei Verpflegung oder räumlichen Möglichkeiten für religiöse Praxis.

Empfehlungen aus der Praxis
Aus den geschilderten Erfahrungen ergeben sich mehrere Handlungsempfehlungen:

  • Strukturelle und finanzielle Professionalisierung der muslimischen Seelsorge
  • Gleichberechtigter Zugang zu relevanten Patientendaten unter Wahrung des Datenschutzes
  • Einbindung interreligiöser Seelsorge in Gewaltprävention und Deeskalationstrainings
  • Ausbau professioneller Dolmetschstrukturen
  • Berücksichtigung religionssensibler Bedarfe in der Krankenhausorganisation

Anmerkung zur Studienbezeichnung
Abschließend wurde angeregt, die Perspektive des antimuslimischen Rassismus stärker sichtbar zu machen. Eine explizite Benennung könnte dazu beitragen, strukturelle Herausforderungen differenzierter abzubilden und entsprechende Maßnahmen gezielter zu entwickeln.

Die Teilnahme an der Studie wurde als wichtige Möglichkeit gesehen, Erfahrungen aus der Praxis einzubringen und langfristig zu einer diskriminierungssensiblen, diversitätsorientierten Gesundheitsversorgung beizutragen.

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